Wünsche werden Wirklichkeit

12.05.2021

Ein Projekt der Vinzenz Gruppe zeigt die Erwartungen junger Pflegekräfte an ihre Ausbildung am Vinzentinum und die Zufriedenheit im Arbeitsalltag.

von Claudia Schanza

„Wir wissen, warum jemand den Pflegeberuf ergreift. Sie sagen: Ich möchte Menschen helfen, der Beruf bringt Abwechslung und es gibt viele Entwicklungsmöglichkeiten.“ Barbara Klemensich, MBA, ist die strategische Leiterin der Ausbildungsplattform der Gesundheits- und Krankenpflegeschulen und Vorsitzende des Pflegemanagementteams der Vinzenz Gruppe. Vor ihr liegt der Abschlussbericht zum Projekt „Ausbildung Pflege verbundweit“, das Dkfm. Dr. Christoph Zulehner begleitet hat. Die Ausbildungsstrategie der Vinzenz Gruppe hat zwei große Ziele: mehr Interessierte zu finden, die eine Pflegeausbildung an den Vinzentinum-Standorten beginnen wollen und die erfolgreichen Absolvent*innen in den Einrichtungen zu behalten. Denn der Bedarf an Talenten ist riesig, der Pflegepersonalmangel eine drängende Herausforderung.

Insgesamt wurden im Rahmen der Strategieentwicklung österreichweit mehr als 400 Personen befragt, die verschiedene Pflegeausbildungen – auch am Vinzentinum in Wien, Linz und Ried – abgeschlossen haben und danach in den Beruf eingestiegen sind. Dabei sind auch zehn einstündige Interviews mit Aussteigern. Die Auswertung zeigt, wie junge Menschen heute lernen wollen. Digital Natives möchten nach dem Schulalltag nämlich nicht mehr in Klassenzimmern einer Pflegeschule die Schulbank drücken. Sie erwarten digitale Angebote mit einem hohen Bedienkomfort und Spannendes, zum Beispiel ein Simulationstraining.

Kontakt zu Patient*innen ist besonders wichtig
Andererseits ist der frühe direkte Kontakt mit Patient*innen enorm wichtig, um die Sinnhaftigkeit des Pflegeberufs zu spüren. Klemensich bringt Zulehners Untersuchung auf den Punkt. „Wir werden diese Generation nur erreichen, wenn wir die Schlagworte Digital Care und Human Touch mit Leben erfüllen.“ Die Pflegeausbildung findet nicht nur in Seminarräumen, sondern zur Hälfte in der Praxis statt. Im Patientenkontakt erleben junge Menschen die Wirkung ihres Tuns und die erfüllende Dankbarkeit, wenn sie Hilfsbedürftige versorgen.

Die Antworten der Befragten legen die Baustellen der Ausbildung offen: Ein Drittel der Ausgebildeten fühlen sich nicht ausreichend auf die Praxis vorbereitet, wenn sie zu arbeiten beginnen. „Wenn man den Auszubildenden nicht ausreichend Zeit widmen kann, dann schafft man ein Onboarding-Problem, weil sie im Job alles nachholen müssen, was sie aus der Ausbildung hätten mitbringen sollen.“ Klemensichs Rückschluss dazu für die Ausbildungsreform lautet: „Um genügend und qualitativ hochwertige praktische Ausbildung zu ermöglichen, ist die gesamte Vinzenz Gruppe gefordert, nicht nur die Vinzentinum-Standorte.“

Sie verweist auf einen erfreulichen Punkt unter den Studienergebnissen. „Es ist eine Mär, dass die Fachhochschul-Absolvent*innen nicht patientennahe arbeiten wollen. Denn sie wollen durchaus ihre Fachexpertise direkt am Patienten anwenden.“

Praktische Erfahrung und emotionale Verbindung
Der enge Kontakt zu den Pflegebedürftigen, aber auch zu den Kolleg*innen in den jeweiligen Gesundheitseinrichtungen bringt nicht nur praktische Erfahrungen, sondern auch eine emotionale Bindung. Zulehners Erhebung zeigt einen unmittelbaren Zusammenhang zwischen der Ausbildungsstrategie und dem Employer Branding der Vinzenz Gruppe. Denn mit Mitarbeitern ist es wie mit einem Handyvertrag: Wer wegen einer Bindungsklausel dabei bleibt, wird das nicht gerne tun. Klemensich setzt auf die positive Verbundenheit. „Die Absolvent*innen sollten sich generell ihren Arbeitgeber frei aussuchen können. Wenn wir Verbundenheit erzielen, indem wir eine emotionale Bindung zu einer bestimmten Abteilung, zu Führungskräften, Fachgebieten oder Kolleginnen*/Kollegen* schaffen, dann ist das die beste Bindungsmaßnahme.“

Wie hoch der Druck auf den Häusern und die Nachfrage nach Pflegekräften sind, zeigt ein interessantes Ergebnis der Befragung. „Die Vinzenz Gruppe kann zu fast 100 Prozent den Wunscharbeitsplatz und die gewünschten Wochenstunden anbieten. Und zwar in allen Regionen in Wien, Linz und Ried. Die Arbeitgeber sind extrem flexibel, was die Angebote für neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter betrifft.“

 

Zum Studienautor:

Dkfm. Dr. Christoph Zulehner, geboren 1964, stammt aus Ried im Innkreis und macht eine beeindruckende Karriere: 1984 Krankenpflegediplom, dann OP-Instrumentar, bald leitet er eine Bettenstation. Mit 31 Jahren stellvertretender Pflegedirektor in einem 480-Betten-Spital. Im Jahr 2000 wechselt der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler in die Unternehmensberatung. Zulehner gilt als Strategie- und Positionierungsexperte, ist erfolgreicher Fachbuchautor und hat Gastprofessuren in Deutschland und Österreich.

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