Manchmal muss man verändern, um zu erhalten.

05.03.2021

Zum Internationalen Frauentag reisen wir zurück in der Zeit und zu den Wurzeln der Vinzenz Gruppe. Was heute stark wie ein Baum steht, wurde vor mehr als 25 Jahren von Schwester Scholastika Leitner, Schwester Josefa Michelitsch und weiteren Mitschwestern zum Erblühen gebracht.

„Also liebe Schwestern, ans Werk und seid standhaft!“ Unser Land ist reich an starken Frauen. Ob es die zitatgebende Friedensaktivistin Bertha von Suttner war, Kaiserin Maria Theresia, die die Pockenschutzimpfung und die Schulpflicht einführte, die ehemalige Frauenministerin Johanna Dohnal oder viele andere, die abseits der Öffentlichkeit wirken, gestern wie heute und vor allem: immer für die Zukunft. Sich für andere einzusetzen, mit Leidenschaft und Güte liegt in ihrer Natur. Und manchmal tragen diese engagierten Frauen auch Ordenstracht. Begeben wir uns zum Internationalen Frauentag auf eine inspirierende Zeitreise zu den Wurzeln der Vinzenz Gruppe, die stets in den Händen von Visionärinnen lagen.

REFORMEN UND VISIONEN

Die Vinzenz Gruppe wurde 1995 als Dachorganisation der drei Krankenhäuser der Barmherzigen Schwestern in Wien, Linz und Ried gegründet. Innerhalb kurzer Zeit brachten auch andere Frauenorden ihre Krankenhäuser in diese Holding ein. Mittlerweile besteht die Vinzenz Gruppe aus sieben Krankenhäusern in Wien und Oberösterreich, der Barmherzigen Schwestern-Pflege GmbH sowie weiteren Gesundheitseinrichtungen. Rund 9.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in ganz Österreich sind heute dem Wohl unser Patient*innen verpflichtet –  mit höchster medizinischer Kompetenz, durch bestmögliche menschliche Nähe und durch innovativere Zugänge.  

Wie es dazu kam? Sowohl der Orden der Barmherzigen Schwestern als auch die anderen Frauenorden zeigten bei der Gründung und Weiterentwicklung der Vinzenz Gruppe Weitsicht und besonders großen Mut für neue Wege: Sie zogen sich aus der Führung ihrer Krankenhäuser zurück und vertrauten die Aufgaben weltlichem Management an. Sie wählten mit der Gründung einer Holding und später einer gemeinnützigen Privatstiftung eine organisatorische Wirtschaftsform, die es damals im Krankenhauswesen in Österreich noch nicht gab.

Und sie hatten bei all ihren Entscheidungen immer die langfristige Zukunft vor Augen – und dafür auch Maßnahmen umgesetzt, die innerhalb des eigenen Ordens schmerzlich empfunden wurden: Schwester Cordula Kreinecker, Generaloberin der Barmherzigen Schwestern dazu: „Es war eine gewaltige Reform, die unsere Einrichtungen grundlegend verändert hat. Eine enorme Herausforderung - aber in unseren Augen der beste Weg, um die wirtschaftliche Existenz unserer Krankenhäuser und gleichzeitig die christlichen Werte abzusichern, unabhängig von der weiteren Entwicklung des Ordens.“     

VEREINTE FRAUENPOWER

Eine wichtige Entscheidung: Schon Anfang der 1980er Jahre erreichte ein Appell der Arbeitsgemeinschaft der österreichischen Ordensspitäler ihre Vorgängerin Schwester Scholastika. Dieser Apell malte ein düsteres Zukunftsszenario: Man könne Krankenhäuser, in denen die Abläufe immer mehr Expertise erfordern, nicht wie ein Familienunternehmen führen. Es brauche klare Strategien, Pflegekonzepte und professionelles Management.

Die damalige Generaloberin der Barmherzigen Schwestern vom Heiligen Vinzenz von Paul handelte schnell und schickte 1983 die Direktorinnen Sr. Sigharda Leitner, Krankenhaus Linz, Sr. Hieronyma Wagnermaier vom Rieder und Sr. Josefa vom Wiener Krankenhaus an die Universität: Diese studierten im Rahmen eines Universitätslehrgangs Krankenhaus-Management. „Obwohl unsere drei Krankenhäuser den gleichen Eigentümer hatten, ist jedes seinen eigenen Weg gegangen. Erst in diesem Lehrgang haben wir uns näher kennen gelernt und uns ausgetauscht,“ erinnert sich Sr. Josefa, die damals auch Generalökonomin des Ordens war.

Gemeinsam wurde den Ordensschwestern schnell klar: „So geht es nicht weiter. Auch angesichts der immer geringer werdenden Zahl der Ordensschwestern wurde ein Weg gesucht, die gemeinnützigen Krankenhäuser unabhängig von der weiteren Entwicklung des Ordens abzusichern. Denn manchmal muss man verändern, um zu erhalten. Dieses Bewusstsein veranlasste uns vor 25 Jahren unsere drei Krankenhäuser aus der Kongregation heraus zu lösen und unter das Dach einer Holding zu stellen.“ Um die Holding in eine sichere Trägerschaft zu stellen, gründeten die Schwestern im Juni 2009 die Sankt Vinzenz gemeinnützige Privatstiftung der Barmherzigen Schwestern. 

Der Erfolg gab und gibt den starken Frauen an der Basis immer noch Recht. Offen sein für Neues, die Leistungen immer den Bedürfnissen der Menschen anpassen und hinschauen was gebraucht wird: Diese Eigenschaften bilden neben den gemeinsamen Wurzeln in der christlichen Ordenswelt die Basis für die Zusammenarbeit. Heute, Morgen und für alle Generationen, die da kommen mögen.

Zurück zur Übersicht